„Blaue Zone“ Okinawa – das Geheimnis der Langlebigkeit

Die Präfektur Okinawa ist aufgrund der langen Lebenserwartung ihrer Einwohner weltweit als eine der „Blauen Zonen“ bekannt, in denen Menschen außergewöhnlich lange leben. Es herrscht ein subtropisches Meeresklima und die Temperaturunterschiede im Laufe des Jahres sind gering. Das ganze Jahr über ist es angenehm warm, weshalb den Menschen alle Aktivitäten leichtfallen. Umgeben vom wunderschönen Meer und der reichen Natur ist Okinawa ein äußerst gesegneter Ort zum Leben. Mit anderen Worten: ein warmes Klima und eine reiche natürliche Umgebung sind die Faktoren, die die Langlebigkeit unterstützen. Ferner gelten auch die gesunden Essgewohnheiten und die Mentalität der Menschen als Geheimnisse des langen Lebens in Okinawa. Bevor Sie Okinawa besuchen, stellen wir Ihnen hier kurz die gesunden Essgewohnheiten und die Mentalität der Menschen vor.

Drei Faktoren, die eine gesunde Ernährung unterstützen
1. Denkweise in Bezug auf das Essen

In Okinawa gibt es das Wort „Nuchigusui“, was wörtlich „Medizin für das Leben“ bedeutet und sich auf Dinge bezieht, die sowohl den Geist als auch den Körper heilen, wie etwa mütterliche Liebe, köstliches Essen, die Freundlichkeit von Menschen, wundervolle Landschaften und dergleichen; die Menschen in Okinawa verwenden dieses Wort hauptsächlich in Bezug auf Essen und Kochkunst. Essen wird als „Kusuimun“ – Dinge, die Medizin sein können – angesehen. Eine ausgewogene Ernährung schafft einen gesunden Körper und eine gesunde Ernährung hat dieselbe Wirkung wie herkömmliche Arzneimittel. Dieser Glaube, dass Medizin und Essen denselben Ursprung haben („Ishoku-dōgen“), ist fest in den Essgewohnheiten des einfachen Volkes verankert. Das okinawanische Wort „Kusunaibitan“ bedeutet so viel wie „zu Medizin werden“, und es wird nach dem Essen verwendet, um Dankbarkeit auszudrücken.

2. Schlichte Zubereitungsmethoden für eine ausgewogene Ernährung

„Chanpurū“ ist ein in Okinawa übliches hausgemachtes Gericht, für das Gemüse kurz mit Fleisch, Tōfu und dergleichen gebraten wird. Eines der Hauptmerkmale der okinawanischen Küche ist, dass Lebensmittel vermischt werden, die günstig sind und sich gegenseitig ergänzenden Nährstoffe enthalten. Da schlichte gebratene Gerichte wie dieses üblich sind und meist nur ein Teller und eine Schale benötigt werden, ist es für die Menschen in Okinawa möglich, ihre ausgewogene Ernährung weiterzuführen. Im Folgenden stellen wir Ihnen einige der hauptsächlichen Zutaten und Gewürze vor.

Schweinefleisch

Die traditionelle Zubereitungsmethode für Schweinefleisch ist, das Fleisch im Ganzen lange zu kochen und dabei Fett und Schaum abzuschöpfen, wodurch übermäßiges Fett und schädliches Cholesterin entfernt werden. Dann wird es in kleine Stücke geschnitten und gebraten oder in einen Eintopf gegeben. Schweinefleisch enthält eine große Menge des hochwertigen Proteins Kollagen, und indem es so weich gekocht wird, dass auch das rote Fleisch und das Fleisch an den Knochen ganz einfach mit Essstäbchen durchtrennt werden kann, ist es auch für ältere Menschen mit schlechter gewordenen Zähnen leicht zu essen.

Hülsenfrüchte

Es heißt, dass die Menschen in Okinawa häufig Tōfu essen und deshalb pflanzliches Protein auf ausgewogene Weise zu sich nehmen.

Gemüse & Meeresalgen

Okinawaner essen oft Gemüse und Meeresalgen wie Konbu (Seetang) usw. zusammen mit Fleisch und Tōfu. Eine Besonderheit der okinawanischen Küche und Esskultur ist, dass Konbu nicht nur verwendet wird, um Dashi-Brühe zuzubereiten, sondern auch als normales Lebensmittel gekocht und gegessen wird.

Salz

Die aufgenommene Menge an Salz liegt in Okinawa ein bisschen unter dem japanischen Durchschnitt. Da hier dank des warmen Klimas Gemüse ganzjährig angebaut werden kann, ist es nicht erforderlich, in der warmen Jahreszeit aufgezogene Feldfrüchte einzusalzen, um sie für die Wintermonate haltbar zu machen, in denen kein Gemüse wächst. Die relativ geringe Salzaufnahme wird auch dieser geografischen Besonderheit zugeschrieben.

Dashi-Brühe

Der Großteil der in Okinawa verwendeten Dashi-Brühe wird aus Bonito hergestellt, und der Pro-Kopf-Verbrauch von Bonitoflocken ist der höchste in ganz Japan. Die Verwendung von Dashi ist Teil der okinawanischen Esskultur, und oft wird anstelle von Bonito-Dashi auch Schweine-Dashi eingesetzt, die hergestellt wird, indem aus der Suppe, die beim Kochen von Schweinefleisch entsteht, das Fett abgeschöpft wird. Sie wird hauptsächlich als Dashi für die Zubereitung von Reis oder Okinawa-Soba verwendet.

Im okinawanischen Dialekt gibt es das Wort „Ajikūtā“, das den Geschmack einer Speise ausdrückt und wörtlich übersetzt „starker Geschmack“ bedeutet. Dies heißt jedoch nicht unbedingt, dass das betreffende Gericht viel Salz oder eine große Menge anderer Gewürze beinhaltet. Viele althergebrachte okinawanische Speisen wie gekochte und gebratene Gerichte werden mit Dashi und einer kleinen Menge Salz gewürzt, wodurch das natürliche Aroma und der Wohlgeschmack („Umami“) der Zutaten maximal hervorgehoben werden.

3. „Superfoods“ genannte Zutaten

Sogenannte „Superfoods“ sind Lebensmittel, die eine hervorragende Nähstoffbalance und einen höheren Nährwert als gewöhnliche Lebensmittel bieten oder besonders reich an bestimmten Nährstoffen oder gesunden Inhaltsstoffen sind. In Okinawa gibt es zahlreiche Superfoods genannte Zutaten, die vom Meer und der Sonne gesegnet sind oder durch Gärung und traditionelle Zubereitungsmethoden hergestellt werden.

„Gōyā“ (Bittermelone)

„Gōyā“, eine sehr bittere Gemüseart aus der Familie der Kürbisgewächse, verfügt über eine große Menge Vitamin C, wodurch sie wirksam gegen die sommerliche Hitzemüdigkeit und Erschöpfung ist. Die Bittermelone ist außerdem auch reich an β-Carotin, Eisen und Kalium, weshalb sie hilfreich bei der Vorbeugung gegen lebensstilbedingte Erkrankungen ist, Schwellungen und Verstopfung beseitigt und auch effektiv bei der Hautpflege und Alterungsvorbeugung ist. „Gōyā Chanpurū“ ist ein berühmtes in der Pfanne gebratenes Gericht.

„Sunui“ (auch „Mozuku“)

„Mozuku“ ist eine Meeresalgenart, die eine große Menge Fucoidan enthält. Da dieser Inhaltsstoff, der Mozuku seine schleimige Textur verleiht, die Geschwindigkeit der Absorption von Zucker und Cholesterin senkt, ist er wirksam zur Vorbeugung gegen lebensstilbedingte Erkrankungen wie Arteriosklerose, Schlaganfall, Herzinfarkt, Fettleibigkeit usw. Mozuku wird oft mit Essig angemacht oder frittiert als Tempura genossen.

„Shīkwāsā“

„Shīkwāsā“ (Citrus depressa) ist eine Zitrusfrucht, die reich an Zitronensäure ist und eine große Menge des Flavonoids Nobiletin enthält. Darüber hinaus enthält sie auch 400 Mal so viele Polyphenole wie andere Zitrusfrüchte und verfügt dadurch über antioxidative Eigenschaften, die bei der Vorbeugung gegen das Altern helfen können. Shīkwāsā ist nicht nur die geheime Zutat in verschiedenen Gerichten, sondern wird auch als Rohmaterial für hautpflegende Kosmetika verwendet.


„Ūji“ (Zuckerrohr)

„Ūji“ ist die in Okinawa am meisten angebaute Kulturpflanze. Brauner Zucker, der durch das Einkochen von ausgepresstem Zuckerrohrsaft hergestellt wird, ist reich an Kalzium und verschiedenen Mineralien. Die Rückstände, die beim Auspressen übrig bleiben, werden „Bagasse“ genannt und enthalten viele Ballaststoffe. In Pulverform ist dieses Mittel äußerst beliebt, da es problemlosen Stuhlgang unterstützt.

„Utchin“ (Herbst-Gelbwurz)

Diese mehrjährige Pflanze aus der Familie der Ingwergewächse heißt auf Englisch „turmeric“ und ist in Indien als Gewürz und in China als Medikament der traditionellen Heilkunde bekannt. In Okinawa ist Gelbwurz oder Kurkuma seit jeher als Allheilmittel bekannt und ein fester Bestandteil des Alltagslebens. So wird sie unter anderem als Tee getrunken oder zum Kochen verwendet. Gelbwurz enthält eine große Menge des Polyphenols Curcumin, das die Tätigkeit der Leber schützt. Neben der Herbst-Gelbwurz gibt es auch die Frühlings-Gelbwurz, die reich an Mineralien wie Kalzium, Kalium, Eisen, Magnesium, Phosphor usw. ist, und die an ätherischen Ölen reiche Purpur-Kurkuma.

Ryūkyū-„Moromi“-Essig

„Moromi“-Essig bezeichnet die gepressten und gefilterten Rückstände (Moromi) aus der Herstellung von Awamori. Für die Herstellung dieser Moromi wird schwarzer Kōji-Pilz verwendet, um den Reis zu fermentieren, und ansonsten nur Wasser zugegeben. Bei diesem Prozess entstehen große Mengen an Zitronensäure und Aminosäuren, weshalb Ryūkyū-Moromi-Essig als Gesundheitsgetränk bekannt ist.

Moringa-Baum

Der Moringa-Baum oder Meerrettichbaum ist eine in Nordindien heimische Pflanze aus der Familie der Bennussgewächse und wird auch „Wunderbaum“ genannt, da alle seine Teile – Samen, Stämme, Zweige, Blätter und Wurzeln – verwendet werden können. Es heißt, dass er 90 verschiedene Nährstoffe beinhaltet und über 300 Wirkungen verfügt. Er enthält eine außergewöhnlich hohe Menge Vitamine, Zink, Kalzium, Kalium, Phosphor, Ballaststoffe und essentielle Aminosäuren wie Lysin und Valin. Aufgrund dessen werden ihm gesundheitliche Wirkungen zugesprochen, darunter Stärkung der Abwehrkräfte, Linderung von Verstopfung, Verbesserung von Schlaflosigkeit, antibakterielle und krebshemmende Wirkung, Verbesserung von Anämie und viele mehr.

Acerolakirsche

Die Acerolakirsche ist eine in der Karibik heimische Frucht mit 34 Mal so viel Vitamin C wie Zitronensaft. In der Schale sind außerdem Polyphenole enthalten, die über antioxidative Eigenschaften verfügen. Motobu im Nordteil der Hauptinsel von Okinawa ist als Acerola-Anbaugebiet bekannt und wurde von der Japan Superfood Association als erste „Superfood Town“ zertifiziert.

Wörter und Empfindungen, die die Mentalität der Einheimischen zum Ausdruck bringen

Aus wissenschaftlicher Sicht ist es schwierig zu beweisen, auf welche Weise die Stimmung und Empfindungen von Menschen mit Langlebigkeit zusammenhängen, doch es heißt, dass Menschen, die in Okinawa leben, nicht so viel Stress verspüren wie andere Japaner, und es wird angenommen, dass dies zur Langlebigkeit der Okinawaner beiträgt. Der okinawanische Dialekt drückt die Mentalität der Menschen gut aus, da sich der Charakter der Menschen in der Bedeutung ihrer Wörter und Sätze widerspiegelt.

„Tēgē“ und „nankurunaisā“

Es heißt, dass in Okinawa lebende Menschen weniger Stress spüren als solche in anderen Regionen. Dies ist auch ein Geheimnis ihres langen und gesunden Lebens. Das Wort „tēgē“ ist einer der Ausdrücke, die den großherzigen und milden Charakter der Okinawaner zeigen. Es bedeutet ungefähr so viel wie „in Maßen“ oder „passt schon“ und wird verwendet, wenn man sich um den Gesprächspartner sorgt und ihn beruhigen möchte. Ferner gibt es den ganz ähnlichen Ausdruck „nankurunaisā“: Wenn man alles richtig macht, dann „wird das schon irgendwie werden (man wird für seine Mühen entlohnt)“. Diese beiden Ausdrücke vermitteln nicht nur die typisch südländische großherzige Natur der Menschen, sondern auch ihre Stärke, ihre Heiterkeit und ihre Großzügigkeit, anderen zu vergeben.

„Uchinā Time“

Es wird oft gesagt, dass in Okinawa ein entspannteres Zeitgefühl herrscht als auf dem japanischen Festland, wo akribisch auf Pünktlichkeit geachtet wird, weshalb es das Wort „Uchinā Time“ (Okinawa-Zeit) gibt. Es ist ein Ausdruck des warmen und nachsichtigen Charakters der Okinawaner in Bezug auf Angelegenheiten, die nicht nach Zeitplan verlaufen. Es heißt, dass diese für Okinawa typische Geisteshaltung vom warmen Klima bedingt wurde.

„Yuimāru“

Es heißt, dass in Okinawa die Verbindungen und Beziehungen innerhalb von Regionen und Familien stärker als auf dem japanischen Festland sind. Aus diesem Grund ist die Teilnahmequote an lokalen traditionellen Veranstaltungen hoch und die Menschen sind gesellschaftlich sehr aktiv. Die Gesinnung, dass sich alle gegenseitig unterstützen und helfen, wird „Yuimāru-Mentalität“ genannt. Dieses Gemeinschaftsbewusstsein spiegelt sich auch im okinawanischen Ausdruck „icharibachōdē“ wider, was in etwa bedeutet, dass man sich mit anderen ohne zu diskriminieren anfreunden sollte, weil alle Geschwister sind, wenn man sich einmal getroffen hat.

Okinawa wird manchmal auch eine „Insel der Unterhaltungskunst mit Gesang und Tanz“ genannt. Singen und Tanzen sind wahrlich Aktivitäten, die den Geist befreien, da sie Spaß machen und Stress abbauen, was zu einem gesunden Geist und Körper führt. Neben der Esskultur und den nährstoffreichen Zutaten, die die Gesundheit der Menschen unterstützen, herrscht hier ein für das südländische Okinawa charakteristisches geistiges Klima – und dies gilt als das Geheimnis der Langlebigkeit

  • Wir führen unser Leben mit einem großherzigen Gemüt und sind nicht zu sehr auf Kleinigkeiten fixiert.
  • Wir leben ohne Eile und Schufterei im Gleichschritt mit der Natur.
  • Wir erhalten im Alltagsleben einen gelassenen geistigen Rhythmus aufrecht.
  • Wir akzeptieren die Emotionen und die Menschlichkeit anderer und führen unser Leben in Verbindung mit anderen Menschen und der Gemeinschaft.
  • Wir führen unser Leben mit einem starken Gemeinschaftsbewusstsein.

Um das Gleichgewicht von Geist und Körper geschickt zu kontrollieren, hat diese Mentalität einen reichen menschlichen Charakter ausgebildet, der auch einen positiven Einfluss auf die Gesundheit hat. Und gerade dies ist wahrscheinlich der Grund, warum Okinawa zu einer „Blauen Zone“ geworden ist. Vielleicht ist dieser Lebensstil ein Hinweis für in der Stressgesellschaft lebende Menschen, wie man leben sollte.