Tradition

Eine Auswahl von zehn traditionellen okinawanischen Erfahrungen

Im Folgenden stellen wir Ihnen zehn verschiedene Aktivitäten vor, im Rahmen derer man die Traditionen Okinawas am eigenen Leib erfahren kann, darunter beispielsweise traditionelles Kunsthandwerk, traditionelle Kleidung, Esskultur usw. Welche dieser Traditionen möchten Sie erleben?

„Ryūsō“-Erfahrung

Erinnerungsfotos in traditioneller okinawanischer Kleidung mit südländischem Flair

Die traditionelle okinawanische Tracht wird „Ryūsō“ genannt. Gemäß des Ständesystems, das etwa im 16. Jahrhundert in der Zeit der Ryūkyū-Königsdynastie eingeführt wurde, kennzeichneten die Farben, Muster und Stoffe den sozialen Status des Trägers. Gleichermaßen gab es auch Unterschiede bei den Frisuren und Haarnadeln. Die allgemeine Bezeichnung für die Volkstracht dieser Zeit ist „Ryūsō“ oder „Uchināsugai“ im okinawanischen Dialekt. Aufgrund des subtropischen Klimas in Okinawa wird kein Obi (breiter Kimonogürtel der traditionellen japanischen Kleidung) verwendet. Stattdessen wird ein dünner Gürtel um die Hüfte und darüber ein Kimono getragen. Da aufgrund dieser besonderen Trageweise der Stoff nicht direkt auf der Haut aufliegt und auch die Ärmel recht weit sind, ist die Kleidung sehr gut durchlüftet und dadurch angenehm kühl zu tragen. Als Material wird oft ein mit bunten Mustern prächtig gefärbter Stoff namens „Bingata“ verwendet. Die Anprobe dieser traditionellen Kleidung mit südlichem Flair wird sicher zu einer unvergesslichen Erfahrung.

 

Veni *Englisch

Bemalung von „Shīsā“ (Löwen-Keramikstatuen)

Bemalen Sie einen „Shīsā“, eine Schutzgottheit, die auch als Symbol von Okinawa bezeichnet werden kann

Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass „Shīsā“, die zahlreiche Dächer, Haustüren und viele andere Orte schmücken, das Symbol von Okinawa sind. „Shīsā“ (oder auch „Shishi“) bedeutet Löwe. Es heißt, dass diese mystischen Tiere so wie Löwen, die ihre Gegner mit aller Kraft überwältigen, von ihren Positionen auf Dächern und über Haustüren aus Dämonen und Unglück vertreiben, weshalb sie als Schutzgottheiten verehrt werden. Sie wurden etwa im 13. oder 14. Jahrhundert aus China nach Okinawa eingeführt. Shīsā befinden sich nicht nur auf Dächern, in Hauseingängen oder über Türen, manchmal sind sie auch an Dorfeingängen oder auf Hügeln platziert, damit sie das gesamte Dorf oder die ganze Stadt schützen. Es gibt zwar Workshops zur Herstellung von Shīsā aus „Yachimun“ (Keramik), einer Art des traditionellen Kunsthandwerks von Okinawa, doch da das Trocknen und Brennen der Figuren zeitaufwendig sein kann, ist die ungezwungene Shīsā-Bemalung sehr empfehlenswert. Wie wäre es mit einer handgemachten Schutzgottheit als Andenken für Ihre Reise?

 

Ryukyu Mura *Englisch

„Sanshin“-Erfahrung

Stimmen Sie auf Ihrer Reise die Klänge des Herzens von Okinawa an

Die „Sanshin“ ist ein traditionelles Instrument, das durch die geschichtlichen und kulturellen Einflüsse der Ryūkyū-Inseln entstanden ist, und es heißt, dass ihre Anfänge etwa 600 Jahre zurückliegen. Im frühen 17. Jahrhundert wurde die Sanshin zum offiziellen Hofinstrument des Ryūkyū-Königreichs gemacht und in der Folge bei Veranstaltungen wie Empfängen und dergleichen verwendet. Mit der Abschaffung des Feudalsystems und der Neugründung als Präfektur verloren die Träger der Sanshin-Tradition, die Mitglieder des Kriegerstands waren, ihren Status. Das Zupfinstrument fand nun auch seinen Weg ins breite Volk, wo es schließlich häufig für Dorfzeremonien oder im Bauerntheater verwendet wurde. Heute findet die Sanshin, deren schlichter Klang viele Menschen fasziniert, in verschiedenen Arten von Musik Anwendung, von klassischer Ryūkyū-Musik über Ryūkyū-Opern, Volkslieder und Folklorekunst bis hin zu Popmusik und „Kumi-odori“, einem traditionellen narrativen Tanz der Ryūkyū-Inseln, der von der UNESCO in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde. Möchten Sie nicht versuchen, unter Anleitung von erfahrenen Lehrern einige okinawanische Stücke auf der Sanshin zu spielen?

 

Native Okinawan Village in Ocean Expo Park *Englisch

„Kachāshī“-Erfahrung

Das Einheitsgefühl beim gemeinsamen Tanzen bietet die Gelegenheit, Freundschaften zu schließen

Bei „Kachāshī“, die zu den beliebtesten Vertretern von Tanzmusik in Okinawa zählt, wird getanzt, indem man beide Hände über den Kopf hebt und nach links und rechts schwingt. Die „Uchinānchu“ (Okinawaner) führen diesen Tanz gerne zu verschiedenen Gelegenheiten auf, beispielsweise bei festlichen Anlässen wie Hochzeiten oder zum Abschluss von Live-Konzerten. Genau genommen heißt der Tanz „Atchamē“ und die Musik, die dabei gespielt wird, „Kachāshī“, doch in letzter Zeit wird beides zusammen immer häufiger „Kachāshī“ genannt. Der Name leitet sich vom Wort für „umrühren“ ab und der Tanz ist sehr einfach. Man hebt beide Hände über den Kopf – die Frauen lassen ihre Handflächen offen und die Männer ballen ihre Fäuste – und bewegt sie so, als ob man den Himmel umrühren würde. Das ist alles. In Okinawa kann man Kachāshī bei Festen und anderen traditionellen Veranstaltungen sowie in Themenparks, Izakaya (Kneipen) usw. ganz ungezwungen genießen. Dieser Tanz ist eine hervorragende Gelegenheit, sich mit Einheimischen auszutauschen. Bitte genießen Sie das Einheitsgefühl, das man beim gemeinsamen Tanzen mit anderen verspürt.

 

Tuva Rama *Japanisch/Englisch

Kulinarische Erfahrung der traditionellen Ryūkyū-Küche

„Essen ist Leben“. Eine kulinarische Erfahrung in der Blauen Zone.

Okinawa, das seit der Zeit des Ryūkyū-Königreichs diplomatische Beziehungen mit China, Südostasien, Korea und Japan unterhalten hat, wurde auch hinsichtlich der Esskultur auf verschiedene Weise von diesen Ländern beeinflusst. Die chinesischen Einflüsse waren besonders stark, weshalb sich die okinawanische Küche mit einem Fokus auf Schweinefleisch entwickelt hat. Typisch okinawanische Gerichte werden auch als „Ryūkyū-Küche“ bezeichnet, die in „Hofküche“, die von Mitgliedern der königlichen Familie gegessen wurde, und „Hausmannskost“ des gemeinen Volkes eingeteilt werden kann. Bei der Zubereitung dieser Gerichte der einfachen Leute, in die das im Alltag gesammelte Wissen einfließt, werden Lebensmittelzutaten ohne Verschwendung verwendet. Der hohe Nährwert dieser Zutaten, der den Segnungen der okinawanischen Natur und der Sonne zu verdanken ist, und die Zubereitungsweisen erregen in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit. Es heißt, dass diese Essgewohnheiten einer der Gründe dafür sind, dass Okinawa eine „Blaue Zone“ ist. Im okinawanischen Dialekt werden Lebensmittel „Kusuimun“ oder „Nuchigusui“ genannt, was so viel bedeutet wie „Medizin“ oder „Medizin für das Leben“. Beide Wörter beziehen sich auf die Denkweise, dass Lebensmittel Krankheiten heilen. Möchten Sie die vielfältigen Gerichte der Ryūkyū-Küche nicht einmal versuchen?

 

Gettou-An *Englisch

Ryūkyū-„Bingata“-Erfahrung

Versuchen Sie sich an dieser farbenfrohen Färbetechnik

„Bingata“, dessen Ursprünge vermutlich im 14. oder 15. Jahrhundert liegen, ist ein Sammelbegriff für das Färben von Stoffen mittels eigentümlicher Techniken in Okinawa, die inmitten der reichen Natur dieser Inseln entstanden sind. Unter den Handelswaren der Zeit der Ryūkyū-Königsdynastie, als der Handel mit dem Ausland florierte, befanden sich Chintz-Stoffe aus Indien und Java sowie mit chinesischen Blumenmustern bedruckte Baumwollstoffe und dergleichen. Es heißt, dass sich Bingata aus den dafür verwendeten Techniken entwickelt hat. Unter dem Schutz der königlichen Regierung von Ryūkyū wurde Bingata seitdem für formelle Frauenkleidung und Gewänder für Shintō-Rituale verwendet. Aufgrund der erhöhten Produktionsmenge wurden begabte Maler und Holzschnitzer mit der Anfertigung von Entwürfen und Mustern beauftragt. Die auf diese Weise angefertigte prächtige Bingata-Kleidung wurde hauptsächlich von Frauen der Königsfamilie und des Kriegerstandes getragen. Die lebendigen Farben, die gewagten Farbkombinationen und die Schlichtheit der Formen machen den charakteristischen Charme dieser gefärbten Stoffe aus, die auch heute noch von vielen Menschen geliebt werden. Möchten Sie sich nicht an Ryūkyū-Bingata versuchen, dieser farbenfrohen Färbetechnik, die so typisch für Okinawa ist?

 

Naha City Traditional Arts & Craft Center *Nur auf Japanisch

„Yuntanza-Hanaui“-Erfahrung

Herstellung von Untersetzern mit der etwa 600 Jahre alten „Hanaui“-Technik

Die ursprünglichen Techniken, auf denen „Yuntanza-Hanaui“ basiert, wurden in der Zeit des Ryūkyū-Königreichs zusammen mit den zahlreichen Handelswaren überliefert, die im Rahmen des blühenden Handels mit China und verschiedenen südostasiatischen Ländern nach Okinawa gekommen sind. Die eigentümlichen Färbe- und Webetechniken wurden von Generation zu Generation weitergegeben, doch das Wissen verblasste im Laufe der Zeit und geriet nach dem Kriegsende vollkommen in Vergessenheit. Aber 1964 wurde die Technik nach etwa 90 Jahren im Dorf Yomitan von einer Gruppe leidenschaftlicher Gleichgesinnter wieder zum Leben erweckt. Heute ist Yuntanza-Hanaui ein designiertes immaterielles Kulturgut der Präfektur Okinawa und ein durch den Minister für Wirtschaft, Handel und Industrie designiertes traditionelles Kunsthandwerk.

 

Yuntanza Hanaui *Japanisch/Englisch

„Kumejima-Tsumugi“-Erfahrung

Schlichte Textur, feinste Handarbeit. Herstellung von Untersetzern aus Seidengewebe.

„Tsumugi“ ist die Abkürzung von „Tsumugi-ori“ und bezeichnet einen Seidenstoff, der angefertigt wird, indem Fäden aus Seidenkokons herausgezogen und durch Verdrehen zu stärkerem Garn versponnen werden. Aufgrund seiner dezenten Färbung ist er als äußerst geschmackvoller und eleganter Kimonostoff ohne den typischen Glanz von Seide sehr beliebt. Die Insel Kumejima gilt als der Herkunftsort des japanischen Tsumugi, und die geschichtlichen Wurzeln reichen bis zum Ende des 14. Jahrhunderts zurück. Es existieren alte Aufzeichnungen, die besagen, dass die Einwohner von Kumejima, die innigen Austausch mit Seefahrern aus China betrieben, später selbst nach China fuhren, um dort das Handwerk der Seidenraupenzucht zu erlernen, und dieses Wissen dann mit nach Hause brachten. Es wird angenommen, dass in der Folgezeit unter anderem auch japanische Handwerker einen großen Anteil an den technischen Innovationen hatten, die zu rasanten Fortschritten führten. Ein selbst gemachter Unterleger aus diesem geschichtsträchtigen Kumejima-Tsumugi-Stoff wird mit Sicherheit ein ganz besonderes Souvenir.

 

Kumejima Tsumugi no Sato Yuimaru-kan *Nur auf Japanisch

Kumejima Tsumugi Article in English *Englisch

Korallenfärben

Traditionshandwerk mit einem Kniff – Versuchen Sie sich an einer neuen Färbetechnik

„Bingata“ ist eine traditionelle Färbetechnik, die bis in die Zeit des Ryūkyū-Königreichs zurückreicht. SHURI RYUSEN im Stadtteil Shuri von Naha ist unter anderem für das sogenannte „Korallenfärben“ bekannt, eine eigentümliche Weiterentwicklung der traditionellen Bingata-Technik. Diese 1973 mit dem Ziel der „Wiederbelebung von Bingata sowie Weiterentwicklung und Überlieferung von Färbetechnik“ gegründete Firma war das erste Forschungsinstitut für Bingata-Färberei mit Pflanzenfarben in Okinawa. Versuchen Sie sich an der Bingata-Färberei, dem traditionellen Kunsthandwerk aus der Zeit der Ryūkyū-Königsdynastie, oder erleben Sie exklusiv nur hier die eigens entwickelte Technik des Korallenfärbens. Dazu wird zuerst aus einer Auswahl von versteinerten Korallen in verschiedenen Größen ein Design zusammengestellt. Dann werden in verschiedene Farben getauchte Färbewerkzeuge namens „Tanpo“ verwendet, um die Korallenmuster auf den Stoff zu übertragen. Dieses besondere Färbeerlebnis macht sowohl Kindern als auch Erwachsenen einen Riesenspaß. Möchten Sie es nicht einmal versuchen?

 

Shuri Ryusen *Englisch

Handgemachte „Beni-imo“-Törtchen

Handgemachte traditionelle Leckereien als Souvenirs

„Beni-imo“, eine Art der Süßkartoffel mit meist purpurfarbenem Fleisch, ist als traditionelle okinawanische Zutat bekannt. Sie gilt als sehr gesundes Lebensmittel, da sie Anthocyane enthält und daher über hervorragende antioxidative Eigenschaften verfügt. Da diese Kartoffeln auch reich an Ballaststoffen, Mineralien und Polyphenolen sind, erregen sie als funktionelles Nahrungsmittel viel Aufmerksamkeit. Früher gab es eine Zeit, in der sie hauptsächlich als „Umunī“ (gestampft als eine Art Paste zubereitet) gegessen wurden, aber heute werden Beni-imo auch gedämpft oder als Tempura genossen. Und dann gibt es die berühmten Beni-imo-Törtchen („Beni-imo Taruto“) vom Urvater der Beni-imo-Backkunst okashigoten, die sich zu einem der am meisten verkauften Okinawa-Souvenirs entwickelt haben. Bei okashigoten kann man in einem Workshop, der viel Spaß für Groß und Klein bietet, diese leckeren Naschereien selber machen. Dieses einzigartige Souvenir erfreut sich größter Beliebtheit. Möchten Sie Ihren Liebsten nicht auch frische Beni-imo-Törtchen als Souvenir von Ihrer Okinawa-Reise zusenden?

 

Okashigoten *Nur auf Japanisch

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